Was bedeutet Klangheilung?

Im Bereich der Klangheilung haben Rhythmus und Resonanz eine zentrale Bedeutung. Von Anfang an ist das menschliche Leben von Rhythmen, Zyklen und periodisch ablaufenden Ereignissen bestimmt. Im Organismus des Menschen kann ein Zusammenspiel zahlloser Biorhythmen mit bestimmten Eigenfrequenzen beobachtet werden. Solange all diese Rhythmen harmonisch miteinander schwingen, ist der Mensch gesund. Wenn jedoch die verschiedenen Rhythmen aus der Harmonie geraten, zeigt der Mensch Erkrankungssymptome. Anschauliche Beispiele diesbezüglich sind Blutdruckschwankungen sowie Herzrhythmus- und Schlafstörungen 1. Mit Hilfe von Klangheilmethoden ist es möglich, diese Rhythmen wieder in Einklang zu bringen.

Darüber hinaus basiert Heilen mit Klang auf dem Grundprinzip der Resonanz. „Im musikalischen Sprachgebrauch bedeutet Resonanz so viel wie das Mitschwingen von Körpern, das durch eine Klangquelle ausgelöst wird.“ 2 Wie alles andere im Universum, schwingt auch der menschliche Körper. Hinzu kommt, dass „Klänge im Wasser viermal so schnell reisen wie in der Luft“ 3. Der menschliche Körper besteht zu rund 70 Prozent aus Wasser und kann somit Klänge hervorragend leiten, so dass diese sehr kraftvoll auf den Organismus einwirken können. „Klang und Vibrationen haben einen direkten Einfluss auf unsere Muskeln, Knochen, das Nerven- und Verdauungssystem, die Atmung, den Kreislauf und sogar die geistigen Prozesse. Jedes Organ, jeder Knochen und jede Zelle im Körper haben eine eigene Resonanzfrequenz. Zusammen ergeben sie den persönlichen Klangrhythmus – ein wenig wie ein Instrument in einem Orchester.“ 4 Wenn ein Instrument verstimmt ist oder disharmonisch spielt, kann dies eine Symphonie komplett ruinieren. Ähnliches geschieht, wenn ein Teil des Körpers aus der Balance geraten ist, denn dies hat Einfluss auf alle anderen Körperteile. Klangheilung kann das sinnbildlich aus Körper und Geist bestehende „Orchester“ wieder in Einklang bringen sowie Harmonie und Gesundheit wieder herstellen. Heilsame Klänge unterstützen den Körper dabei, sein ureigenes, angeborenes Gleichgewicht wiederzugewinnen. 5

Physische Belastungen sind häufig auf emotionale Unausgeglichenheit und auf Stress zurückzuführen. Es hat sich herausgestellt, dass Klangheilung sehr effektiv bei der Bewältigung von Stress eingesetzt werden kann sowie zur Linderung von Schlafstörungen, Schmerzen, Depressionen, Angstzuständen oder posttraumatischen Belastungsstörungen 6. Wenn der emotionale Körper Heilung erfährt, heilt in der Mehrzahl der Fälle ebenfalls der Körper. Außerdem verlangsamen sich die Gehirnwellen infolge von Klangheilung. Abhängig vom Grad der Bewusstheit und der Aufmerksamkeit gehen von unserer Hirnaktivität kontinuierlich unterschiedliche Schwingungen aus. Meistens ist unser Gehirn mit logischen und bewussten Gedanken beschäftigt; wir senden somit Beta-Wellen aus. Wenn wir uns auf eine Aufgabe konzentrieren wollen, brauchen wir eine passende Menge an Beta-Wellen; eine zu große Menge an Beta-Wellen kann jedoch Stress und Angstzustände auslösen. In unserer schnelllebigen Gesellschaft kommt dies häufig vor, doch Musik kann uns dabei unterstützen, wieder einen Zustand zu erreichen, in dem das Gehirn Alpha-Wellen sendet. 7 Auf diese Weise können wir unsere innere Ruhe und inneren Frieden zurückgewinnen.

Bei einer Klangheilungserfahrung ist der Patient gleichzeitig passiv und beteiligungsorientiert. Passiv ist die Erfahrung, weil der Patient gewöhnlich liegt, während er den Klängen lauscht. Beteiligungsorientiert ist die Erfahrung, weil jeder Klang zu einer erhöhten Offenheit und Aufnahmefähigkeit führt. Dabei nutzt der Musiktherapeut unterschiedliche Klänge, z.B. die eigene Stimme, Stimmgabeln, Klangschalen, Gongs oder Percussion-Instrumente. Auf diese Weise kann der Empfänger ein Bad in heilsamen Schwingungen nehmen. 8

Klangheilbehandlungen gelten als sicher und unaufdringlich; die Therapeuten sollten sich allerdings im Rahmen von Ausbildungen für diese Tätigkeit qualifiziert haben. Klangheilung kann bei Menschen jeglichen Alters angewandt werden. Auch schwerhörige oder taube Menschen können von Klangheilung profitieren, da sie die Klänge zwar nicht hören, aber die Vibrationen spüren können. Bemerkenswert ist ebenfalls, dass Klangtherapien offensichtlich dazu beitragen können, antisoziales und aggressives Verhalten von Kindern positiv zu beeinflussen.

Die fünf Faktoren der Klangwirkung

Der Musiktherapeut Daniel Perret zeigt in seinem Buch „Die Wurzeln unserer Musikalität – Musiktherapie und die Entfaltung der Persönlichkeit“ fünf Faktoren auf, die für die Wirkung von Klang relevant sind:

  1. Die Empfangsbereitschaft eines Patienten: Für eine nachhaltige Wirkung einer Klangbehandlung ist die Verbindung von Klang und Bewusstsein eine unentbehrliche Voraussetzung; daher muss eine Offenheit des Patienten dafür vorhanden sein.
  2. Die Anziehungsebene, auf der ein Musiktherapeut arbeitet: Die Tiefenwirkung einer Klangbehandlung wird maßgeblich von der Motivation des Therapeuten beeinflusst; außerdem davon, wie tief er im Kontakt mit sich selbst ist.
  3. Die eingesetzten musikalischen Bestandteile: Frequenzen, Rhythmen, Klangfarbe, Tonart, Modus, Intervalle, Klangvolumen, Obertonspektrum usw.
  4. Die Qualität der Klangquelle.
  5. Die im Raum vorherrschenden Energien: Ort, anwesende Menschen, Zeitpunkt usw.

Auch der professionelle und soziokulturelle Hintergrund eines Patienten beeinflusst den Erfolg einer Klangbehandlung. Dies ist in den ersten beiden Punkten enthalten. 9

 

[1]     Vgl. HESS: Die heilende Kraft der Klangmassage, S. 27.

[2]     Ebd., S. 28.

[3]     THROUP: Klangheilung, S. 46.

[4]     Ebd., S. 46.

[5]     Vgl. ebd., S. 46.

[6]     Vgl. ebd., S. 50.

[7]     Vgl. ebd., S. 46-48.

[8]     Vgl. ebd., S. 48-50.

[9]          Vgl. PERRET: Die Wurzeln unserer Musikalität, S. 50.

 

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